Gemälde: Wiese von Hartmuth Kiewert – Tiere im Wald zwischen Ruinen

8. Österreichischer Tierrechtskongress

Nurtiere und Geradenochmenschen Samstag 22. Oktober, 18:00 Uhr: Hauptvortrag im Raum SkyDome

Über die Gemeinsamkeiten von speziesistischer und rassistischer Gewalt

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Mensch ein Tier ist. Allerdings scheint nicht selten hinzugedacht zu werden, dass dies nur in einem sehr geringen Sinne zutreffe, denn recht eigentlich sei der Mensch kaum mehr ein Tier, vielmehr dabei, das Tierische hinter sich zu lassen. Während sich das Menschentier in dieser Weise zum Kaumnochtier erhebt, werden alle nicht-menschlichen Tiere zu Nurtieren (oder gar Fastschondingen) relegiert. Die evidenten empirischen Unterschiede zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Tieren nehmen wir Kaumnochtiere offenbar als so tiefgreifend wahr, dass wir uns gestattet haben, zu diesen Unterschieden – verbunden mit unseren Möglichkeiten gewalttätiger Unterdrückung – einen weiteren, einen normativen Unterschied hinzuzuerfinden. Wir haben uns – in einem ganz vulgären Sinne – zu besseren, zu höheren Lebewesen erklärt.

Die speziesistischen Strukturen der Nurtierunterdrückung, die aus dieser Erfindung folgen, ähneln denen der rassistischen Unterdrückung. Rassistisch unterdrückte Menschen werden dehumanisiert, sie werden als inferiore Menschen wahrgenommen, als Menschen im geringsten Sinne, fast schon Tiere: Geradenochmenschen. Strukturell betrachtet sind Nurtiere und Geradenochmenschen identisch, sie sind beide Konklusionen desselben superioristischen Fehlschlusses. Diese erfundenen normativen Unterschiede sind ein fundamentales ethisches Problem. Wir müssen uns desuperiorisieren, um dieses Problem zu überwinden. Speziesistische und rassistische Gewalt ruht zunächst auf der erfundenen absolutistischen Idee, bestimmte Lebewesen seien besser als andere und sodann auf der – gleichermaßen – erfundenen Idee, dieses gestatte jenen, die sich für besser befunden haben, die absolute Dominanz über jene, die für schlechter befunden wurden. Es gilt diese Erfindungen, diese Fehlschlüsse zu begreifen, sie zu vermeiden, und die daraus gewonnen Privilegen nicht mehr anzunehmen, nicht mehr annehmen zu wollen und nicht mehr annehmen zu können. Eine unmittelbare praktische Konsequenz dieser Desuperiorisierung ist der Veganismus.

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