Gemälde: Wiese von Hartmuth Kiewert – Tiere im Wald zwischen Ruinen

8. Österreichischer Tierrechtskongress

Was lohnt sich noch? Donnerstag 20. Oktober, 18:30 Uhr: Hauptvortrag im Raum SkyDome

Ethische Tierpolitik zwischen Minimalkonsens und Solidarität

In meinem Beitrag geht es um drei Dinge. Erstens skizziere ich kurz, was in der akademischen Tierethik erreicht ist, und wie sich dies zur tierethischen Praxis verhält. Tierethische Debatten sind philosophisch ungewöhnlich, als es einen robusten Minimalkonsens gibt, den Philosoph*innen, die sich sonst über kaum etwas einig sind, für mehr oder weniger unzweifelhaft halten – was das genau heißt, erkläre ich. Auch warum die tierethische Praxis diesen Minimalkonsens dennoch nicht nennenswert berücksichtigt, versuche ich zu erläutern.

Zweitens geht es mir um das Gewissen als eine Art Translationsriemen zwischen moralischer Erkenntnis und ethischer Praxis. Hier gehe ich aus der Perspektive des philosophischen Pragmatismus auf die Rolle von Emotionen und Gemeinschaft näher ein. Neben Tierliebe und Wut stelle ich vor, welche verschiedenen Formen von Solidarität notwendig und denkbar sind. Damit einhergehend unterscheide ich drittens und letztens zwei Ebenen des tierpolitischen Handelns in mitteleuropäischen Gesellschaften und gehe davon aus, dass diese, auch wenn das wünschenswert wäre, nicht zeitnah von tiefgreifenden systemischen Veränderungen gezeichnet sein werden.

Damit entsteht eine pragmatische Konzeption von ethischer Tierpolitik, die sowohl auf der Umsetzung des Minimalkonsenses als auch auf der Notwendigkeit von Experimenten mit dem guten Leben für Multispezies-Gemeinschaften beharrt.

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