Gemälde: Wiese von Hartmuth Kiewert – Tiere im Wald zwischen Ruinen

8. Österreichischer Tierrechtskongress

Vier Tiertexte aus Kafkas Nachlass Sonntag 23. Oktober, 14:00 Uhr: Vortrag im Raum Augarten

Frühe Beispiele einer posthumanen Ästhetik

Die Analyse von Kafkas Tiertexten im Lichte der Literary Animal Studies hat sich in der Forschung etabliert. Der Vortrag trägt an die untersuchten Texte spezifisch nicht-anthropozentrische Fragen heran, die die außerordentliche Modernität von Kafkas Denken, aber auch die für sein Schreibverfahren typische, irritierend ambivalente Perspektivierung der Handlungen zeigen sollen.

Im Fokus des Vortrags stehen vier kurze Texte aus Kafkas Nachlass. Sie handeln von Mäusen, einer Hündin, einem Tiger und einem Pferd und dem maßgeblichen, irreversiblen Einfluss des Menschen auf ihr Leben. Gefragt wird in einem ersten Schritt nach den wissenshistorischen Implikationen: so etwa nach dem Stellenwert von Brehms Tierleben in Kafkas Zeichnung der Tiere, von zeitgenössischen Tierexperimenten und Dressurpraktiken sowie vom Umgang mit unerwünschten Tieren. Die Texte werden in ihren zeitgenössischen Kontexten der Evolutionstheorie, Biologie und Zoologie sowie des kolonialistischen Weltbildes beleuchtet. Insbesondere wird danach gefragt, auf welche Weise und zu welchem Zwecke Kafkas Erzählstrategien das Wissen seiner Zeit verfremden und verschlüsseln. Gezeigt werden soll, inwiefern Kafka die hierarchische Ordnung zwischen Mensch und Tier dekonstruiert und die den Tieren eigene Agency hervorkehrt.

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